Beschlüsse der GTI

Bei der neunten Konferenz der Mitgliedstaaten (COP 9) wurden einige wichtige Beschlüsse in Bezug auf die GTI verabschiedet, die die Ziele und Aufganben der GTI festlegen.

Laut des Dokumentes COP 9 Decision IX/22 ist die GTI für eine Einschätzung der für die CBD-Ziele notwendigen taxonomischen Ressourcen und Kapazitäten auf nationaler, regionaler und globaler Ebene sowie für Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit verantwortlich (Ziel1).

Das zweite Ziel der GTI bezieht sich auf biologische Sammlungsexemplare als Grundlage für taxonomisches Wissen. Hier sollen bestehende Personal-Ressourcen, Systeme und Infrastrukturen erhalten bzw. neue aufgebaut werden. In diesem Prozess soll die GTI die notwendige Fokussierung und Schwerpunktsetzung auf regionaler und globaler Ebene liefern und damit einen Beitrag zur effektiven Beschaffung, Aufbereitung und Kuratierung von biologischen Sammlungsexemplaren leisten (Ziel 2).

Im dritten übergeordneten Ziel geht es um die Verbesserung der Infrastruktur, um den Zugang zu taxonomischen Informationen/Daten zu erleichtern. Dabei soll ein koordiniertes Informationssystem entwickelt, wobei den Ursprungsländern ein vorrangiger Zugriff auf landeseigene Biodiversitätsinformationen zustehen soll.

Weiterhin soll die GTI dafür sorgen (Ziel 4), dass taxonomische Zielsetzungen in die großen thematischen Arbeitsbereiche der CBD integriert werden, um zu ihrer Umsetzung beizutragen  (z.B: Biodiversität des Waldes, Marine Biodiversität und Diversität von Küstenlandschaften, Biodiversität von Trocken- und Sub-humiden Gebieten, Binnengewässern, etc.). Dasselbe gilt für die Querschnittsthemen der CBD (Ziel 5) (z.B. Access and benefit-scharing, Invasive Arten, Schutzgebiete, etc.).

Bisherige Umsetzung in Deutschland

In dem vierten Länderbericht, den Deutschland als Mitgliedsland bei der CBD im März 2010 einreichte, finden sich Hinweise auf die bisherige nationale Umsetzung des Arbeitsprogramms der GTI. Zum einen wird erwähnt, dass eine globale Studie zu taxonomischen Kapazitäten und Anforderungen von der deutschen GTI-Kontaktstelle in Arbeit ist. Zum anderen wurde die „Initiative Taxonomie – Stiftungsprofessuren für Deutschland“ gegründet, die von der Deutschen Kontaktstelle und dem Verband Deutscher Biologen (VBIOL) ausging. Außerdem haben sich die Forschungsmuseen und Botanischen Gärten 2007 zu einem Konsortium mit dem Namen „Deutsche Naturwissenschaftliche Forschungssammlungen“ (DNFS) zusammengeschlossen, um die bestehende Forschungsinfrastruktur und die Kooperation zwischen Mitgliedsinstitutionen zu verbessern und Synergien zu erarbeiten. Der DNFS sieht sich als Ansprechpartner für nationale sowie internationale, wissenschaftliche, gesellschaftliche und politische Institutionen und relevante Prozesse.

In Bezug auf Forschungsförderung unterstützt die deutsche Regierung laut des Länderberichts die Biodiversitätsforschung vor allem über die Initiativen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), da unter den Begriff der Biodiversitätsforschung sowohl taxonomische Forschung fällt als auch andere Forschungsvorhaben, die indirekt die Taxonomie mit einschließen. Als Beispiele werden das momentan noch laufende Projekt GBIF-Deutschland und das bereits beendete BIOLOG-Projekt (BIOTA) genannt. Ebenfalls zu nennen ist die DFG Ausschreibung für ein „Kompetenzzentrum Biodiversität“, über die Anfang 2012 entschieden werden soll. Auch das Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“, das in der Verantwortung des Bundesamts für Naturschutz liegt, reiht sich thematisch hier ein. Ebenfalls relevant ist die laufende Ausschreibung im 7. Rahmenprogramm der EU, um den internationale Arbeitsplan  für das globale Biodiversitäts-Erdbeobachtungssystem (GEO BON) mit einem europäischen Beitrag zu unterstützen. GEO BON soll dazu dienen, Veränderungen von Biodiversität auf unterschiedlichen Skalen zu erfassen und zu analysieren, u.a. im Hinblick auf den Einfluss von Klima- und Landnutzungswandel. Dazu sollen digitale Biodiversitätsdaten (z.B. GBIF) mit Daten aus der Fernerkundung verknüpft werden. Passend dazu wird im Rahmen des europäischen Forschungsinfrastrukturfonds ESFRI das Netzwerk LifeWatch gefördert, bei dem ein gemeinsames Datenportal für unterschiedliche Biodiversitätsdaten entwickelt werden soll.

Darüber hinaus haben sich innerhalb des Teilbereiches Botanik umfangreiche Netzwerke für Pflanzenschutzaktivitäten etabliert. Dies fand zum Teil im Rahmen einer weiteren an die CBD geknüpften Initiative, der „Global Strategy for Plant Conservation“ (GSPC), statt. So wurde Ende 2005 das „Netzwerk Botanischer Naturschutz“ und die „Gesellschaft zur Erforschung der Flora Deutschlands“ (GEFD) gegründet. Auf deutscher Seite daran beteiligt sind zum Beispiel die Gruppen Phytodiversität Deutschlands e.V. (NetPhysD), Diversitas Deutschland, GBIF-Deutschland und der GTI focal point. Im Zuge der Umsetzung der GSPC-Ziele in Deutschland wurden im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) unter Mithilfe von über 50 Naturschutzexperten aus Fachbehörden des Bundes und der Länder, Universitäten und Naturschutzorganisationen die Relevanz der GSPC-Ziele für Deutschland, ihr Umsetzungsstand und der weitere Handlungsbedarf bewertet. Das Netzwerk Botanischer Naturschutz kam zu dem Schluss, dass der Schlüssel zur Umsetzung der GSPC Ziele in Deutschland in der Vernetzung und dem Austausch zwischen den Akteuren aus der Forschung, den Behörden und dem Verbandnaturschutz liegt (Netzwerk Botanischer Naturschutz, 2007).

Auf europäischer Ebene ist das Projekt EDIT (European Distributed Institute of Taxonomy) von Relevanz, da es die verstärkte Vernetzung von Taxonomen und eine Verbesserung des Informationsaustausches zum Hauptziel hatte. Die deutschen EDIT-Partner-Institutionen waren maßgeblich an der Etablierung und Implementierung der ATBI-Sites (All Taxa Biodiversity Inventory) beteiligt. Das europäische Projekt Synthesis hat den Austausch von taxonomisch Forschenden zwischen den verschiedenen Einrichtungen unterstützt und damit auch zu einer Standardisierung und Professionalisierung taxonomischer Methoden und dem Sammlungsmanagement beigetragen.