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Case studies - oder Fallbeispiele - heben die Bedeutung der Taxonomie für Biodiversität, Umweltschutz und Landwirtschaft deutlich hervor.

Wir sind auf ständiger suche nach neuen Fällen. Wenn Sie eine Vorschlag haben, schreiben Sie uns! Hier finden Sie eine kleine Anleitung (in Englisch von BioNET-International).

Alle Beispiele von BioNET-International und der GTI-Kontaktstelle sind in einer Online-Datenbank abrufbar. Hier klicken .... Weitere Fallgeschichten sind auf der BioNET-INTERNATIONAL Website und Natural Science Collection Alliance Website publiziert.

Weitere Fallstudien finden sich auch auf den Englischsprachigen Seiten der GTI.


Was hat die Vogelgrippe mit Taxonomie zu tun?

Die erste oberflächliche Antwort heisst natürlich: nichts! Die Vogelgrippe scheint ein Problem zu sein, dass vor allem Mediziner und Tierärzte umtreibt und selbstverständlich auch Geflügelzüchter. Vom Kleinbauern bis zum Großbetrieb ist die massenhafte Keulung des Geflügels ein schwerer wirtschaftlicher Schlag, der manche Existenz bedroht. Aber Taxonomen? Sind das nicht die Leute die nur Vogelbälge abstauben und esoterische Daten handschriftlich in abgegriffene Karteikarten eintragen?

Nein, so sind die Taxonomen nicht. Erstens benutzen sie Computer und die Daten sind durch taxonomische Initiativen, wie GBIF (www.gbif.org) per Internet auf der ganzen Welt abrufbar. Zweitens sitzen Taxonomen nicht nur im Museum, sondern forschen global an oft sehr ungemütlichen Orten, wie das frostige Sibirien oder das feucht-heisse Asien. Dabei spüren sie, detailversessen wie ein Kriminalist, Lebewesen nach. Mit wem hat "meine Art" Kontakt, was frisst sie und von wem wird sie gefressen? Wann und wo brütet sie, und wann ist sie überhaupt wo zu finden? Dies alles gilt es durch viele, einzelne Beobachtungen herauszufinden und ist biologische Basiswissen, auf dem sich vieles aufbauen läßt. Mit der letzten Frage, nach dem Wo ist die Art Wann, sind wir schon ganz direkt bei der Vogelgrippe.

Denn Vögel sitzen nicht ihr ganzes Leben an einem Ort, sondern ziehen über weite Strecken, oft über ganze Kontinente um den Jahreszeiten auszuweichen. Am bekanntesten ist sicher der Vogelzug über den Bosporus und viele von uns haben ihn schon im Urlaub bewundern können. Aber das ist nicht die einzige Route, es gibt noch ganz andere Vogelzüge, auch in Ost-West-Richtung. Deshalb kann uns die Vogelgrippe, die im Fernen Osten grassiert nicht egal sein: der Ferne Osten ist für viele Zugvögel gar nicht so fern. Sie pendeln regelmäßig zwischen ihren europäischen und asiatischen Verbreitungsgebieten.

Woher wir das wissen? Ganz einfach: Taxonomen waren schon früh vom Vogelzug fasziniert und haben versucht herauszufinden, wo sich ihre Lieblinge herumtreiben. Das geschah durch die Beringung der Vögel. Ganz ohne Anwendung und ohne wirtschaftlichen Nutzen, vielleicht etwas exzentrisch, konnte damit in jahrzehntelanger Kleinarbeit die Wanderrouten der Vögel auf der Weltkarte nachgezeichnet werden. Diese Daten sind übrigens in einer weltweiten Initiative unter Beteiligung Deutschlands online abrufbar (www.groms.de). Daher wissen wir von dem Ost-West-Zug vieler Vögel und daher wissen wir, dass der Ferne Osten ganz nah ist. Damit auch die Vogelgrippe. Diese hat also sehr viel mit Taxonomie zu tun.

Die Vogelgrippe ein sehr eindrucksvolles Beispiel dafür, wie biologisches Basiswissen - oft gegen Widrigkeiten von einer weltweiten Gemeinschaft von Taxonomen erarbeitet - in einer immer kleiner werdenden Welt über Nacht extrem wichtig wird. Ohne die detektivische Kleinarbeit der letzten Jahrzehnte - über Nacht ließe sich der Vogelzug nicht erfassen! - könnten wir die Bedeutung der asiatischen Vogelgrippe für uns nicht richtig einschätzen. Wir wären nicht in der Lage angemessen zu reagieren.

Taxonomie ist oft langwierig, aber immer faszinierend und ihre Resultate werden - oft über Nacht - extrem wichtig!

Kontakt: Fabian Haas, Januar 2006

Dazu auch folgende Pressemeldung: Turkey sits at major crossroads for migratory birds Turkish Press , 06 January 2006. .NKARA - Turkey, where two teenagers have died from bird flu in the first such fatalities outside Southeast Asia and China, is crossed by three major routes used by migratory birds blamed for the spread of the epidemic. ...


Kann dieser Käfer Leben retten?

Ein Artikel in der FAZ-Sonntagsausgabe vom 22. Februar 2004. Hierin werden die pharmazeutischen Möglichkeiten und Geheimnisse beschrieben, die im kleinsten Käfer stecken. Die grössten Pharmafirmen suchen derzeit fieberhaft nach verborgenen Wirkstoffe. Mehr ...


Heilmittel oder nicht? Der Unterschied liegt in der Art.

Organismus: Liane, Ancistrocladus abbreviatus

Bereich: Medizin & Gesundheit

Geographische Region: Sub-Sahara Afrika

Ab Mitte der 80ziger Jahre führte das National Cancer Institute der USA systematische Tests an pflanzlichen Inhaltsstoffen statt. Vielleicht hat man ja bisher einen Inhaltsstoff übersehen, der sich als wichtiges Medikament wirken könnte.

Partner in diesem Programm war der Missouri Botanical Garden und ein Angestellter dieses Gartens, Duncan W. Thomas, nahm in diesem Rahmen Proben einer recht seltenen und recht unscheinbaren Liane im Korup National Park in der südwestlichen Region Kameruns. Man hielt diese Pflanze zunächst - irrtümlich - für Ancistrocladus abbreviatus, die weitverbreitet und häufig ist.

Die Proben dieser Pflanze gingen in die USA, wurden getestet und es stellte sich heraus, das ein isolierter Wirkstoff, das Michellamin B , eine in vitro-Aktivität gegen HIV/AIDS entfaltet. Eine Sensation! Und man brauchte für weitere Untersuchungen natürlich weiteren Wirkstoff, also Pflanzen. Daher wurden schnell weitere Pflanzen gesammelt, von der weitverbreiteten Art Ancistrocladus abbreviatus . Allerdings zeigten sich diese neuen Proben völlig wirkungslos gegen HIV, und nichts vom Wirkstoff (Michellamin B) war zu finden.

Wo lag der Fehler? Waren die Blätter schlecht konserviert worden, so das sich auf dem Transport in die USA der Wirkstoff abbaute. Nein, dieses konnte ausgeschlossen werden. Deshalb verglichen Duncan Thomas und Taxonomen des Missouri Botanical Garden die Pflanze am Originalstandort mit Ancistrocladus abbreviatus. Und tatsächlich: es gab geringe, aber sehr konstante Unterschiede; es waren also zwei verschiedene Arten, womit sich auch der Unterschied im Wirkstoffgehalt erklärt. Die neue Art wurde, nach ihrem Standort, als Ancistrocladus korupensis beschrieben.

Ohne die Erfahrung und Ausbildung der Beiteiligten Taxonomen wären die Unterschiede zwischen den Pflanzen mit einiger Sicherheit nicht aufgefallen. Zu subtil für das untrainierte Auge. Ausserdem konnten die Taxonomen Vergleichsmaterial aus den Herbarien der Welt und aus dem Korup National Park heranziehen. Nur durch dieses Vergleichsmaterial, das einen großen geographischen Bereich und etliche Pflanzen umfasste, wurde deutlich, dass die Unterschiede tatsächlich bedeutsam und nicht nur individuelle Variation waren.

Der Rückgriff auf die Herbarien und botanischen Gärten war deutlich schneller und effizienter als eine neue Expedition auszustatten, die nach der neuen Arten Ancistrocladus korupensis suchen soll, um das Problem durch Untersuchungen vor Ort in Afrika zu lösen. Nach der Auswertung der Herbarien war auch sehr schnell klar, wo nach Ancistrocladus korupensis gesucht werden musste.

Durch ein vom Tübinger Biochemiker Jan Schlauer entwickeltes, vereinfachtes Untersuchungsverfahren ist es schließlich möglich geworden, Michellamin B und ähnliche Substanzen noch aus geringsten Mengen von Herbarmaterial nachzuweisen. So konnte gezeigt werden, dass Michellamin B auch (allerdings in geringeren Konzentrationen) in den afrikanischen Arten Ancistrocladus congolensis und A. likoko vorkommt, die beide weiter verbreitet und häufiger sind als die seltene Art A. korupensis.

Den möglichen sozialen, finanziellen und ökologischen Gewinnen eines Medikaments und seiner Herstellung durch nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen, stehen also geringe Kosten für Herbarien und Wissenschaftler gegenüber. Diese sind sehr viel geringer als jene für ungezielte und aufwändige Expeditionen, Beschaffungs- sowie Restorationsmaßnahmen, die erforderlich werden, wenn Vorabinformation und Sachverstand fehlen.

Quellen, Websites und Photos: Ancistrocladaceae und Dioncophyllaceae (mit Abbildungen): Botanically Exciting and Phytochemically Productive Tropical Lianas; The Search for Ancistrocladus auf der Seite des Missouri Botanical Garden

Kontakt: Dr. Jan Schlauer, Fabian Haas

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Wer hindert Seeohren am gedeihen?

Organismus: Seeohren, Schnecken, Haliotis, Gastropoda, Archaeogastropoda

Bereich: Fisherei, Aquakultur

Geographische Region: USA, Pazifik

Seeohren sind Schnecken, die in vielen Ländern den Weg in den Kochtopf gefunden haben. Hinter der Bezeichnung 'Seeohr' verbergen sich eine ganze Reihe von Arten in der Gattung Haliotis, (Gastropoda: Archaeogastropoda: Haliotis).

Da die natürlichen Bestände schon lange überfischt sind, werden Seeohren weltweit (Kalifornien, Mexiko, Japan, Südafrika, Tasmanien, Taiwan und China sind wichtige Produzenten) in Tanks oder küstennah im Meer gezüchtet.

Ideale Vorraussetzungen also für Schädlinge! Und so kam es dann auch in der ersten Hälfte der 1990ziger Jahre. Damals tauchten immer mehr geschädigte Seeohren auf, die sehr langsam wuchsen und eine deformierte Schale aufwiesen. Da die Tiere bei erst etwa 8-10 cm geerntet werden, und da das Auge ja mit isst, waren diese Tiere nicht mehr verkaufbar. Der Befall war so stark und vollständig, dass die Produktion gefährdet war und ein Seeohrfarm bankrott ging. Bei etwa 60 Euro (je nach Seltenheit der Art bis zu 400 Euro) pro Kilo ein erheblicher finanzieller Wert! Dieser Wert lädt übrigens auch zum Wildern ein.

Der Schädling wurde als - bis dato unbekannter - Borstenwurm (Polychaeta: Sabellidae: Terebrasabella heterouncinata) identifiziert, der den Seeohren eigentlich nichts tut: er frisst sie nicht, vergiftet sie nicht und vermehrt sich nicht in ihnen. Allerdings, und dass reicht, bewohnt er in selbstgebauten Gängen die Schalen, bevorzugt am Wachstumsrand der Schale. Deshalb die Deformationen und das verlangsamte Wachstum.

Dringend musste also festgestellt werden, wie man diesen Borstenwurm bekämpfen konnte, und ob eine weitere Gefährdung der heimischen Schneckenfauna - nicht nur der Seeohren - besteht. Die erste Frage war also, ob dieser Schädling eingewandert war, und wenn ja, von woher. Wenn man das weiß, lässt sich gezielt nach seinen Fressfeinden und Parasiten suchen.

Die Frage nach der Einwanderung lässt sich in diesem Fall am besten mit einer Museumssammlung beantworten, denn dort sind Belege für die Vergangenheit gelagert. Nur mit einer Sammlung lässt sich sagen, wie denn die Flora und Fauna vor 20, 50 oder 100 Jahren ausgesehen hat. Und: Im Vergleich zu dem entstandenen Schaden in Seeohrkulturen fallen die Kosten für eine derartige Sammlung gering aus. Diese Museumsbelege können dann mit den neuesten Methoden untersucht werden.

In diesem Falle reichten allerdings einfache Untersuchungsmethoden: der Schädling hinterlässt klar erkennbare Gänge in den Seeohrschalen. Keine der über 100 untersuchten Seeohrschalen aus dem Los Angeles County Museum for Natural History, die vor 1990 gesammelt wurden, wies diese Gänge auf. Der Schädling war also neu in Kalifornien und nicht einfach übersehen worden.

In weltweiter Zusammenarbeit wurden die Zuchtbestände überprüft, und es zeigt sich, dass der Schädling aus dem Südlichen Afrika kommt, wo er auch in Seeohrkulturen nachgewiesen werden konnte.

In klassisch-taxonomischer und biologischer Arbeit wurde dann der Entwicklungszyklus des Schädlings untersucht. Der Wurm ist prädestiniert um in Kulturen Schaden anzurichten: kurze Entwicklungszeit, direkt Entwicklung, Zwitter und Übertragung auf neue Seeohren durch das freie Wasser möglich. Natürliche Feinde des Schädlings konnten aber bisher nicht gefunden werden, so das die Zuchtanlagen manuell gereinigt wurden und alleine in Kalifornien über 1,5 Mio. infizierte Tiere vernichtet werden mussten.

Weitere Infos zum Seeohr und Wirtschaft

Im englischen Sprachgebrauch werden Seeohren als 'Abalone' bezeichnet, ein wohl aus dem spanischen stammender Begriff. Gemeint sind jedenfalls die Arten der Gattung Haliotis.

The Abalone Mapping Project

Eine Artenliste zu 'Abalone' lässt sich abrufen: www.seafoodinfocenter.org

Die Website einer Abalone Firma mit Rezepten: www.bcabalone.com

Noch eine Firma mit Rezepten: www.fishtech.com

Biologische Information: Conservation and Research Seafood Watch

Department of Fischeries & Aquaculture of Western Australia: Seite zu Abalone:

'The world production of cultured abalone has grown rapidly to 7,165 metric tonnes (mt) in 1999 with an additional shortfall in supply of 7,000 mt projected (Fleming, in Fleming and Roberts 2000, pp.1-15).'

Abalone Aquaculture in Western Australia Policy Guideline

Verbreitung und ökonomische Daten

Produktionsziffern und Verbrauch und Nachfrage

Synopsis of Infectious Diseases and Parasites of Commercially Exploited Shellfish

Kontakt: Christoph Bleidorn Systematik und Evolution der Tiere, FB Biologie/Chemie/Pharmazie, FU Berlin, Königin-Luise-Str. 1-3, D-14195 Berlin, Deutschland, Fabian Haas

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Schwarze Witwen auf Reisen

Organismus: Spinne, Schwarze Witwe, Aranaea, Latrodectus hasselti

Bereich: Medizin & Gesundheit

Geographische Region: Australien, Japan, Pazifik

Im September 1995 wurden in Osaka in Japan zum ersten Mal Spinnen gesichtet, die der berüchtigten und giftigen Schwarzen Witwen sehr ähnlich waren. Sie tauchten zunächst in einem Hafengebiet auf, in denen Öltanker aus Sydney anlegten. Im November desselben Jahres wurde die Spinne tatsächlich als Schwarze Witwen (Latrodectus hasselti, Australian Red Back) identifiziert. Sofort wurden Präventivmaßnahmen eingeleitet, um z.B. Kinder im Bereich von Schulen auf die neue, auch z.T. tödliche Gefahr, hinzuweisen.

Durch die schnelle Identifizierung und die dadurch mögliche effektive Informationspolitik konnten Bissunfälle und Erkrankungen verhindert und medizinische Kosten gespart werden. Wodurch war dies möglich?

Seit den 1950er Jahren existieren Kataloge, in denen weltweit alle Spinnenarten erfasst werden und kontinuierlich auf dem neuesten taxonomischen Stand gehalten werden. Die Fortschreibung der Kataloge erfolgt heute in halbjährlichen Abständen ausschließlich online und ist dadurch für jedermann und 24 Std am Tag zugänglich (The World Spider Catalog)!

Schon seit den 1960er Jahren existiert durch internationale Vereinigungen von Spinnenforschern ein weit verzweigtes Netz von Spezialisten (z.B. International Society of Arachnology, ISA). In Australien, der Heimat der Schwarzen Witwe (Latrodectus hasselti), gab es schon lange Bestrebungen, die dort vorkommenden Arten zu erfassen und durch Bestimmungsschlüssel Bearbeitern aus allen Fachgebieten zugänglich zu machen. Vorläufiges Endergebnis ist die 2002 erschienene CD-ROM "Spiders of Australia".

Durch die auch schon 1995 fortgeschrittenen Arbeiten an dem Bestimmungschlüssel und der engen internationalen Vernetzung, gelang es auch in Japan die Schwarze Witwe schnell und sicher zu identizieren. Keine Selbstverständlichkeit, da diese Spinne doch bisher ausschliesslich einige Tausend Kilometer entfernt vorkam.

2001 und 2003 fanden wechselseitige Besuche zwischen den örtlichen Behörden in Osaka (Japan) und einem Spezialisten in Brisbane (Australien) statt. Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass die Schwarzen Witwen in Osaka wesentlich besser kälteangepasst sind, als in Australien. Sie überlebten in ihrer neuen Heimat 13 Tage unter Null ohne Probleme und breiteten sich weiter aus, erreichten z.T. sogar höhere Populationsdichten als im Ursprungsland.

Diese Erkenntnisse sind immens wichtig bei Früherkennung und Präventivmaßnahmen in Ländern mit gemäßigten Klima. Dort war man sich bisher recht sicher gegenüber der Einschleppung und Ansiedlung tropischer Giftspinnen.

Fundiertes taxonomisches Wissen und die weltweite Vernetzung von Wissenschaftlern half schnelle und wirkungsvolle Gegenmaßnahmen durchzuführen. Durch die gezielte und genaue Information der Bevölkerung wurden eine Massenhysterie verhindert und tödliche Unfällen vermieden.

Quellen und Verweise: The World Spider Catalog; ISA International Society of Arachnology

Kontakt: Dr. Peter Jäger, Sektion Arachnologie, Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg, Senckenberganlage 25, D-60325 Frankfurt am Main, Deutschland

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Die Cameraria Miniermotte

Organismus: Roßkastanie, Aesculus hippocastanum, Miniermotte, Cameraria ohridella

Bereich: Pflanzenschutz

Geographische Region: Mitteleuropa

Die Roßkastanie (Aesculus hippocastanum) ist in vielen Teilen Europas ein beliebter Zierbaum. In den letzten 11 Jahren hat sich über Mazedonien ein Kleinschmetterling unbekannten Ursprungs in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas ausgebreitet, der Rosskastanien befällt. Die Larven des Falters minieren in den Blättern der Rosskastanien. Als Folge verbräunen die Blätter bei starkem Befall bereits im Frühsommer und werden vorzeitig abgeworfen, was den Baum erheblich schwächt und ihn möglicherweise auf lange Sicht abtötet.

Da die Rosskastanie ein beliebter Zierbaum ist, hätte ein Eingehen des Bestandes große Veränderungen im Stadtbild und in der Lebensqualität unserer Städte zur Folge. Aber nicht nur das; müssten die Rosskastanien nach und nach gegen eine andere Baumart ausgetauscht werden, wäre dies eine erhebliche finanzielle Belastung der Kommunen, die derzeit selbst für einfache, aber effiziente Bekämpfungsmaßnahmen, wie die Laubentfernung unter den Bäumen, kaum Geld haben.

CABI-Bioscience (das 'Commonwealth Agricultural Bureau International' in London) versucht in einem EU-Projekt, klassische, biologische Bekämpfungsmethoden zu finden, vorzugsweise Feinde bzw. Parasiten aus dem Ursprungsgebiet der Motte. Da dieses nicht bekannt ist, müssen aufwendige Suchexpeditionen unternommen werden um deren natürliches Verbreitungsgebiet zu finden.

Hierbei könnte die Taxonomie helfen. Sind durch eine Verwandtschaftsanalyse, die ja nur mit Vergleichsmaterial durchführbar ist, das wiederum in Museen lagert, die nächstverwandten Arten bekannt, so ist anzunehmen, dass Cameraria ohridella, die Schadmotte, in einem nicht allzuweit entfernten Gebiet vorkommt. Damit läßt sich der Suchbereich wesentlich einschränken: von prinzipiell weltweit auf ein begrenztes Gebiet wie China. Sind nun auch noch die ökologischen Ansprüche ihrer nahen Verwandtschaft bekannt, hilft auch dieses wieder bei der Suche. Dann wird man nur in Gebirgen, am Strand oder im Wald suchen.

Eine Verwandtschaftsanalyse kann aber nur von einem in taxonomischen Techniken ausgebildeten Biologen durchgeführt werden, auf der Basis von in Museen vorliegendem Vergleichsmaterial. Und dieses Vergleichsmaterial muss durch eine beständige Aufsammlung beschaft werden. Im Übrigen lässt sich auch nur so feststellen, ob denn nun eine Art neu in einem Gebiet ist und wo sie zuerst aufgetaucht ist. Ohne diese Information wäre nicht festzustellen gewesen, dass C. ohridella zu allererst in Mazedonien auftrat.

Im Vergleich zu den möglichen Schäden, die alleine in diesem Falle bundesweit in die Millionen Euro gehen würden, sind die Kosten für eine Taxonomenstelle gering. Eine Streichung dieser Stelle hätte zwar kurzfristig einen gewissen Spareffekt, auf lange Sicht jedoch hätte dies eine gegenteilige Wirkung.

Quellen: Allgemeine Informationen zu Cameraria Miniermotte; EU-Projekt CONTROCAM (Control of Cameraria) von der EU Website; CABI-International Homepage

Kontakt: Fabian Haas

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Welchen Schaden hat der Untergang der 'Prestige' verursacht?

Bereich: Fischerei, Naturschutz

Geographische Region: Spanien, Atlantik

Am 13. November 2002 sank vor der Küste Nordspaniens der Öltanker "Prestige", der 70.000 Tonnen Rohöl geladen hatte. Das Wrack liegt in einer Tiefe von ca. 3.000 Meter in der Position 42° 12’N 12° 3’W. Das auslaufende Öl hat weite Teile der Küste Galiziens bedeckt und in der Tiefsee reichern sich rings um das Wrack in unbekanntem Ausmaß Schadstoffe an.

Kurz nach dem Untergang riefen bei mir und anderen Biologen Journalisten an, um zu erfahren, welchen Schaden diese Katastrophe angerichtet hat und noch auf Jahre hinaus verursachen wird.

Sowohl in Spanien als auch in Deutschland mußten wir antworten, daß diese Meeresregion noch weitgehend unerforscht ist und deshalb eine Schadensanalyse kaum möglich ist!

Die spanische Regierung finanziert jetzt ökologische Analysen, diese kommen jedoch zu spät, da die Situation vor dem Unfall unbekannt ist. Eine Ausnahme ist die Region rings um die Ría de Ferrol, wo Wissenschaftler der Universität Santiago de Compostela seit mehreren Jahren an der Erfassung der marinen Tierwelt arbeiten. Zahlreiche neue, bisher völlig unbekannte Tierarten konnten entdeckt werden, und es ist den Biologen klar, daß bisher nur ein kleiner Teil der unbekannten Arten erfaßt wurde. In der Tiefsee, in der das Wrack heute liegt, hat bisher niemand die Tierwelt erforscht.

Die Analyse der Situation nach dem Unfall kann aber nicht dazu dienen, die Folgen der Katastrophe zu beschreiben, da der unberührte natürliche Zustand nicht bekannt ist. Taxonomie und die Erfassung der Tierwelt sind Grundlagenforschung, die dringend benötigt wird, um die dramatischen Umweltveränderungen unserer Zeit wissenschaftlich zu analysieren und Gegenmassnahmen zu entwickeln. Ohne diese Arbeit gibt es keinen Schutz für das verbleibende Leben der Meere und ebenso der Wälder unseres Planeten.

Kontakt: Prof. Dr. J. W. Waegele, ZFMK, Uni Bonn, Adenauerallee 160, 53113 Bonn

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Regenwürmer steigern die Ernte um 300 %

Organismus: Tee-Pflanze, Regenwurm

Bereich: Landwirtschaft

Geographische Region: Indien

Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass es erst durch die genaue Kenntniss der biologischen und chemischen Vorgänge im Boden möglich sein wird, Brachen zu renaturieren und Ernten wesentlich zu steigern. Und dies ohne den Einsatz von großen Mengen von Pestiziden und Düngern.

Regenwürmer, Termiten und andere Boden-bewohnenden Organismen sind unterirdirsche Pflüge, die die Erde umwälzen, Nährstoffe an die Oberfläche bringen und den Boden erneuern. Sie steuern auch die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens: Böden ohne diese Organismen sind dürreanfällig und ersosionsgefährdet.

So konnte nachgewiesen werden, dass durch die Wiederansiedlung heimischer Regenwürmer in den Teeanbaugebieten im indischen Tamil Nadu, die durch den über Jahrzehnte anhaltenden Einsatz von Düngemitteln ausgerottet waren, die stagnierenden Erträge um bis zu 300 % gesteigert werden konnten.

Dieser Erfolg basiert auf der Kenntnis der einheimischen Bodenfauna. Erst durch die taxonomische Unterscheidung der einzelnen Organismen konnten die entscheidend wichtigen erkannt und gezielt wieder angesiedelt werden. Ein ausbringen einheimischen Bodens war aufgrund der Größe der 'wiederzubelebenden' Fläche nicht möglich, ausserdem wäre wahrscheinlich unerwünschte, schädliche Organismen eingeschleppt worden.

Quelle: Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP United Nations Environment Programme) Jahresbericht für 2002

Kontakt: Fabian Haas

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Kleiner Käfer großer Schaden: Konsequenzen einer falschen Bestimmung

Organismus: Prachtkäfer, Buprestis haemorrhoidalis

Bereich: Landwirtschaft, Fortswirtschaft

Geographische Region: Kanada, Nordamerika

Im Jahre 1992 wurde ein ungewöhnlicher Käfer in den Wäldern Britisch Kolumbiens (Kanada) beobachtet. Da es an Spezialisten mangelte, die diesen Käfer bestimmen konnte, dauerte es ein Jahr, bis der Käfer als 'Buprestis haemorrhoidalis', ein europäischer Prachtkäfer, bestimmt worden war. Die Verzögerung in der Bestimmung verschaffte dem Käfer bei der Ausbreitung entscheidende Vorteile: zwei Fortpflanzungsperioden.

Wenn jeder Käfer nur 100 Nachkommen hat, sind diese bei zwei Perioden 100 mal 100 also 10.000 Käfer, die sich alle wieder ausbreiten und wieder fortpflanzen und bekämpft werden sollen, anstatt der 100 ursprünglichen.

Als Folge mussten die Ausrottungmassnahmen auf ein viel gößeres Gebiet ausgedehnt werden, was einen ganz erheblichen Mehraufwand an Logistik in diesem unwegsamen Gelände und damit der Kosten nach sich zog.

Die Kosten für einen Spezialisten und einer entsprechenden Sammlung / Museum nehmen sich im Vergleich zu den Umsätzen in der Holzindustrie, die in Kanada im Bereich von zweistelligen Milliardensummen Euro bewegen, ausnehmend gering aus. Gleichfalls ist der mögliche Schaden, den diese Käfer hätte anrichten können, eher in zig Millionen zu bemessen, wegen eines Käfers, in einem Jahr ... Mit dieser Summe könnte ein entsprechender Spezialist mehrere Jahrzente finanziert werden.

Quelle: Agenda Systematik 2000: Erschließung der Biosphäre (in Deutsch). Kleine Senckenberg-Reihe Nr.22

Kontakt: Fabian Haas

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Pflanzenschutz ist ohne Botanische Gärten nicht möglich

Bereich: Pflanzenschutz, IPM

Geographische Region: weltweit

Viele bei uns unschädliche Pflanzen haben sich in anderen Gegenden der Welt zu bedeutenden Schädlingen in der Landwirtschaft entwickelt. Die Pflanzen wurden oft unabsichtlich mit dem Warenverkehr verschleppt, oder sie wurden von Siedlern zunächst als Zierpflanzen und Küchenkräuter angepflanzt.

Was in z.B. Europa völlig unschädlich war, wurde in den Kolonien zu gravierenden Schadorganismen, die ganze Landstriche unbrauchbar machten. Beispiele dafür sind die Wasserhyazinthe aus dem Amazonas, die heute die afrikanischen Ströme bedeckt. Oder die Kresse in Nordamerika,.Oder der Riesenbärenklau, der sich bei uns entlang der Autobahnen rasend schnell ausbreitet. Oder das indische Springkraut.

CABI-Bioscience arbeit seit mehreren Jahren an der Entwicklung von biologishen Pflanzenschutzmethoden gegen solche gebietsfremden Pflanzen. In der Regel wird dabei in den Ursprungsländern nach Organismen, sehr häufig Insekten, gesucht, die speziell diese Pflanzen schädigen.

Diese vorgehensweise, soll sie effizient sein, benötigt zweierlei. Die genaue Kenntnis der Standorte in den Ursprungsländern, nur dann lassen sich die Pflanzen gezielt suchen und auch ihre Schädlinge auffinden. Erst dadurch werden die klimatischen Bedingungen deutlich, unter denen der Schadorganismus gedeiht. Fehlt diese Kenntnis, die in der Regel durch die Museen in Form der Lokalfloren, erarbeitet wurde, so muss dieses Wissen unter großem Zeit- und Kostenaufwand erarbeitet werden. Dadurch ergeben sich weitere Verzögerungen in der Bekämpfung und damit weitere Kosten.

Weiterhin müssen an den Pflanzen Versuche durchgeführt werden, die zeigen sollen, wie schädigend ein Organismus ist. Allerdings ist die Bereitstellung der Samen, vor allem in der notwendigen genetischen Diversität, keine einfache Aufgabe. Deshalb greift CABI-Bioscience auf eine große Zahl von Herbarien und Botanischen Gärten zurück, die eine große biologische Vielfalt - von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet - bereithalten.

Dies spart dem Pflanzenschutz enorme Mittel ein, und senkt die effektiven Kosten der Botanischen Gärten, die noch viele weiter Aufgaben erfüllen. Pflanzenschutz ohne Botanische Gärten wäre kaum denkbar und sehr viel teurer.

Als Beispiel für die enge Kooperation sei Auszug aus der Liste Botanischer Gärten aufgeführt mit denen CABI-Schweiz zusammenarbeitet:

Österreich : Botanischer Garten, Wien

Belgien : Nationaler Botanischer Garten von Begien in Meise

Kanada : Botanischer Garten, Montreal

Dänemark : Botanischer Garten Kopenhagen

Finnland : Botanischer Garten Turku

Deutschland : Botanische Gärten in Aachen, Göttingen, Karlsruhe, Leipzig und Marburg; Botanischer Garten der Humboldt Universität Berlin; Botanischer Garten der Universität Konstanz

Italien : Botanischer Garten der Universität Genua; Botanischer Garten Hanbury, Latta; Botanischer Garten der Universität Padua ; Botanischer Garten der Universität Palermo

Russland : Botanischer Garten, Moskau

Slovakia : Botanischer Garten der Universität Bratislava

Grossbritannien : Royal Botanic Gardens, Kew

Quelle: Jahresbericht 2002 von CABI-International in der Schweiz (CABI Bioscience Switzerland Centre)

Kontakt: Fabian Haas

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Biologische Kontrolle der Pfeilkresse

Organismus: Pfeilkresse, Cardaria draba

Bereich: Landwirtschaft, Pflanzenschutz

Geographische Region: USA, Nordamerika

Die Pfeilkresse (Cardaria draba) ist eine mehrjährige Pflanze, die sich durch Samen und vegetatives Wurzelwachstum verbreitet. Sie ist ein aggressiver Eindringling in Felder, Weiden, Uferfluren und ist besonders häufig in gestörten oder bewässerten Gebieten anzutreffen. Konventionelle chemische Bekämpfungsmethoden sind nicht immer effektiv und benötigen mehrjährige, wiederholte Anwendung um erfolgreich zu sein.

Seit ihrer Einfuhr aus dem Europa des 19. Jh hat sich die Pflanze in den westlichen und nördlichen Staaten der USA ausgebreitet. Sie wird als Schädling in 14 US-Bundesstaaten und drei kanadischen Provinzen eingestuft, woraufhin im Frühjahr 2001 ein Projekt zur klassischen, biologischen Bekämpfung der Pfeilkresse gestartet wurde. Das Programm wird mit jenen der USDA-ARS EBCL (United States Department of Agriculture, Agricultural Research - European Biological Control Laboratory) in Montpellier, Frankreich, und der Montana State Universität, USA, koordiniert.

Von Mai bis Juli 2001 wurden annährend 100 Standorte in 10 Ländern besammelt: Armenien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Österreich, Rumänien, Russland, Schweiz, Türkei und Ungarn. Dabei wurde nach möglichst effizienten Schädlingen dieser Pflanze gesucht.

Dieses Unternehmen wäre ohne eine genaue Kenntnis der Standorte der Pflanzen nicht möglich gewesen. Die Standorte werden, als eine klassische Arbeit der Museen, in sog. Lokalfloren besammelt und publiziert. Das floristische Wissen über die Pflanze hat sich nun als essentiel für eine mögliche biologische Bekämpfung erwiesen. Ohne dieses Wissen wäre eine gezielte (damit billige) Suche nicht möglich gewesen, oder hätte sich um Jahre verzögert, bis die Daten endlich verfügbar geworden wären.

Die - kostengünstige - Vorarbeit der Museen, d.h. die Erstellung der Lokalfloren, zahlt sich nun also doppelt aus. Zum einen entfällt diese Arbeit bei den neuen Untersuchungen, und spart so direkt Kosten, zum anderen stehen die Bekämpfungsmittel früher bereit, eine nochmalige Kostenreduktion: Schäden werden früher reduziert.

Quelle: Jahresbericht 2002 von CABI-International in der Schweiz (CABI Bioscience Switzerland Centre)

Kontakt: Fabian Haas

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