Kann eine Krebsinvasion die Ökologie der Antarktis verändern?

Foto: Jan Borgsted / Flickr

Wissenschaftler entdeckten im Februar diesen Jahres am Rande der West-Antarktischen Halbinsel  in einer Vertiefung des antarktischen Festlandsockels, die Palmers Deep genannt wird, in 950-1419 Meter Tiefe eine vermehrungsfähige Population der Krebsart Neolithodes yaldwyni.Bisher hatte man diese Krebsart noch nie auf dem antarktischen Festlandsockel gefunden und angenommen, dass niedrige Wassertemperaturen einer der limitierenden Faktoren für die Tiere war. Wenn dies zutrifft, könnte es angesichts einer stetigen Erwärmung des Wassers in diesen Regionen im Rahmen von klimatischen Veränderungen nur eine Frage der Zeit sein, bis den Krebsen die Besiedelung des Festlandsockels gelingt. Berücksichtigt man die Erwärmungsrate der Gewässer um Palmers Deep, so könnte dies innerhalb der nächsten 10-20 Jahre geschehen.

N. yaldwyni ist ein Prädator mit einer breiten Nahrungspalette, der die Beute mit den Mundwerkzeugen „knackt“ (durophagous predator). Daher ernährt er sich unter anderem auch von Echinodermata (Stachelhäutern). Bei der Nahrungssuche durchsieben die Krebse das Sediment mit ihren Chelipeden, wirbeln es dabei auf und hinterlassen charakteristische Spuren in der Oberfläche des Meeresbodens. Durch ihre Lebensgewohnheiten haben sie die Eigenschaft das Ökosystem stark zu beeinflussen und zählen daher zu den „ecosystem engineers“. Studien haben gezeigt, dass die Anwesenheit des Krebses mit einem Diversitätsverlust der Megafauna und Echinodermata einhergeht und dass sie die taxonomische Struktur des Megabenthos im Allgemeinen verändert. Falls N. yaldwyni sich tatsächlich im Zuge des Klimawandels auf dem antarktischen Festlandsockel ausbreiten sollte, so könnte das dortige Ökosystem starken Beeinträchtigungen ausgesetzt sein.

Für diese Studie wurden Bildmaterial und Probenaufsammlungen eines Unterwasserfahrzeugs entlang eines Transekts von über 3,3 km Länge in einer Wassertiefe von 1419-600 Meter ausgewertet. Die Krebsart wurde mit Hilfe von taxonomischen Experten identifiziert. Diese nutzten unter anderem genetische Untersuchungen und verglichen die Daten mit denen aus genetischen Datenbanken (Genbank und Barcode of Life). So gelang eine Abgrenzung von anderen eng verwandten Arten wie N. brodiei, N. asperrimus und N. duhameli. Um den ökologischen Einfluss des Krebses zu beurteilen, waren weitere taxonomische Untersuchungen des Lebensraumes notwendig. Auch die detaillierte Kenntnis der Nahrungssuche und anderer Lebensgewohnheiten ist auf die Beobachtungen von Taxonomen zurückzuführen.

Quellen: