Wozu Taxonomie?

Ein "Taxonom" ist jemand, der...

1) Arten beschreibt
2) taxonomische Revisionen durchführt
3) taxonomische Codes und Richtlinien als Grundlage für seine Arbeit nutzt
4) eine akademische Ausbildung in Taxonomie hat
5) eine Gruppe von Organismen identifizieren kann
6) für seine taxonomische Arbeit bezahlt wird
7) Mitglied einer systematischen Gesellschaft ist

Desweiteren gibt es natürlich auch Amateur-Taxonomen ohne akademische Ausbildung, die wichtige Beiträge leisten. Leider werden auch nicht alle professionell ausgebildeten Taxonomen für ihre Arbeit bezahlt.

Was ist taxonomische Forschung?

Die klassische und enge Definition lautet: "Taxonomie ist der Bereich biologischer Forschung, der sich mit der Benennung von Organismen (Nomenklatur), Identifikation und Klassifikation befasst."

Bei der taxonomischen Forschung geht es vor allem um die Benennung von Organismen, also Wissenschaft im Popperschen Sinne: Die Hypothese, dass ein Organismus, eine Art und ein Name zusammengehören, wird mit unterschiedlichen Methoden falsifiziert bzw. verifiziert (vergl. Enghoff 2009).

Bei dieser systematischen Einordnung richteten sich die klassischen Taxonomen nach morphologischen Merkmalen (Körperbau, Blütenmerkmale etc.). Die Taxonomie verwendet auch Methoden der Chemie, Biochemie und Genetik zur Klärung von Verwandtschaftsbeziehungen.

Neben dieser sogenannten alpha-Taxonomie spielt Taxonomie in einer Reihe nah verwandter Wissenschaftszweige eine herausragende Rolle. Angefangen von der Phylogenie und Evolutionsforschung, deren Grundlage die genauen morphologischen und genetischen taxonomischen Untersuchungen sind.

Warum braucht die Welt Taxonomie?

Je nach Arbeitsbereich können Taxonomen für naturwissenschaftliche Sammlungen, an Museen, Botanischen Gärten, in der Industrie (z.B. pharmazeutische Industrie) oder auch an Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen arbeiten, wobei ein nicht geringer Teil der Taxonomen ehrenamtlich oder außerhalb der Arbeitszeit taxonomisch arbeitet. Während in Deutschland die Anzahl der Taxonomen stagniert und möglicherweise aufgrund ungünstiger Berufsaussichten sogar abnimmt (eindeutige Zahlen sind schwer zu erhalten, werden aber aktuell im Rahmen einer Studie zur taxonomischen Forschung in Deutschland erhoben), nimmt sie global betrachtet zu, insbesondere in den megadiversen Ländern wie Brasilien und China. Obwohl die Resultate der taxonomischen Arbeit häufig „unsichtbar“ bleiben, bilden sie das Fundament für viele Forschungsvorhaben im Bereich der Lebenswissenschaften.

Aufgrund des Klimawandels und den damit verbundenen Veränderungen der Verbreitungsgebiete von Pflanzen und Tieren, und auch Humanpathogenen, wird die Bedeutung der taxonomisch basierten Forschung wieder zunehmen.

vom Artenkenner zum Klimaschützer

Ohne die Erfassung der Natur durch Taxonomen hätten wir z.B. nicht das notwendige Wissen, um Naturschutz zu betreiben. Wir wüssten weder, welche Arten schützenswert sind, noch welche geographischen Regionen für den Naturschutz Priorität haben sollten. Es wäre auch nicht möglich, die Ausmaße des Verlustes von Arten einzuschätzen. Auch für die Erforschung der Auswirkungen des Klimawandels ist die Taxonomie eine wichtige Disziplin, denn sie ermöglicht es, existierende Muster in der Natur zu erkennen. So kann der Vergleich von alten und neuen taxonomischen Aufzeichnungen in Verbindung mit Klimadaten Rückschlüsse auf die Auswirkungen von klimatischen Veränderungen liefern.

Taxonomie rettet Leben

Die Entdeckung von vielen medizinischen Wirkstoffen wäre ohne die Arbeit von Taxonomen nicht möglich gewesen (Beispiele: Kap-Pelargonie, Calanolide A, Teebaumöl). Weltweit werden 50.000 Pflanzenarten allein im medizinischen Bereich verwendet. Durch die Bestimmung von Pflanzenarten sowie der Untersuchung ihres genetischen Aufbaus liefern Taxonomen einen wichtigen Beitrag zur pharmazeutischen Forschung. Auch bei der biologischen Bekämpfung von Schädlingen in Landwirtschaft und Naturschutz spielt die Taxonomie eine wichtige Rolle (Beispiel: „Gumtree“ der Insel St Helena, Südpazifik). Dasselbe gilt für das Monitoring und die Kontrolle invasiver Arten, die weltweit vermehrt zu einem Problem werden (Beispiel: Marienkäfer, Deutschland).

Eine Sammlung von Fallstudien finden Sie auf der Homepage von BioNET - the global network for taxonomy